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städtetraum, traumstadt
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städtetraum, traumstadt

31. dezem­ber 2012  //  foto: cyril genty

 

Eines Tages möchte ich in Paris leben, nahe dem Place Jules Joff­rin, mit Kirche, Métro, Mairie, Cafés und einer Hal­te­stelle der Bus­li­nie 85 Rich­tung Luxem­bourg. Um die Ecke der Straßenmarkt auf der Rue Damrémont, in der Rue Orde­ner Geschäfte, Pape­te­rie, Traiteure, Bou­lan­ge­rie, Cafés, Hotels. Oder im Süden der Stadt, auf der Rue d'Alésia, die mit ihren Akazienbäumen und nied­ri­gen Häusern schon wie die Straße einer südlichen Pro­vinz­stadt wirkt. Ich möchte in einem Haus leben aus hellem Pari­ser Sand­stein, Entrée mit Marmor und Spie­geln, das Trep­pen­haus aus altem Holz mit rotem Tep­pich, Con­cierge mit Hündchen, die Woh­nung im 1. Stock rechts, ein Zimmer zur Straße und zwei zum Hof, langer, dunk­ler Flur, geka­chel­tes Bad, kleine Küche. Eines Tages möchte ich in Paris leben und spa­zie­ren­ge­hen auf den Höhen des Chi­ne­sen­vier­tels im 19. Arron­dis­se­ment oder in den gefährlichen Tiefen der ehe­ma­li­gen Slums hinter der Gare de Lyon. Geranientöpfe zählen auf den Fens­ter­sim­sen der Rue Mar­ca­det, wenn man sie vom nördlichen Abhang von Mont­martre bis her­un­ter zur Goutte d'Or läuft. Auf dem Pflas­ter vor dem Picasso-​Museum auf nasses Herbst­laub treten. Auf einer Bank sitzen im Parc Mon­ceau, auf der Place des Vosges, in den Tui­le­rien. Eines Tages möchte ich in Paris leben, einen Ricard im Café de la Mairie trin­ken, das bis zwei Uhr nachts geöffnet hat, wenn die Nachtschwärmer und späten Thea­ter­be­su­cher ihren letz­ten Cal­va­dos absit­zen, an diesem Platz vor der Saint-Sulpice-Kirche, der ein Abend-, ein Nacht- und ein Tages­platz ist und unun­ter­bro­chen im Rau­schen des Ver­kehrs lebt, im Kommen und Gehen der Lini­en­busse, im Klap­pern der Absätze der Pas­san­ten auf dem Trot­toir unter einem weiten Platz­him­mel im Son­nen­licht, im Win­ter­licht. Eines Tages möchte ich in Paris leben.

Dann hören und sehen wir uns wieder. Au revoir.