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normal ist nicht gesund
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normal ist nicht gesund

20. mai 2012  //  foto: davis ayer

 

Psy­chi­sche Krank­heit ist eine gra­vie­rende und sich über einen gewis­sen Zeit­raum hin erstre­ckende (also nicht bloß momen­tane) Dys­re­gu­la­tion der bio-psycho-sozialen Inter­ak­tion, die von Exper­ten fest­stell­bar ist, und in der Regel mit einem Emp­fin­den von sub­jek­ti­vem Leid sei­tens des Betrof­fe­nen selbst oder in seinem sozia­len Feld ein­her­geht. Ursa­chen von psy­chi­scher Krank­heit sind bio­gra­fi­sche Trau­mata und Beziehungsstörungen (ins­be­son­dere Störungen der Emo­ti­ons­re­gu­la­tion und Affekt­ab­stim­mung) im soma­ti­schen und sozia­len Kon­text, die mit einem Mangel an Bewältigungsressourcen ein­her­ge­hen und daher zu einem anhal­ten­den und nicht ohne Hilfe zu bewältigenden Dys­stress führen, der sub­jek­tiv z.B. als nicht zu bewältigende Überlastung mit überwältigenden Gefühlen der Hilf- und Hoff­nungs­lo­sig­keit emp­fun­den wird. Psy­chi­sche Krank­heit wird im Hier-und-Jetzt erlebt, akti­viert und auf­recht­er­hal­ten, kann aber durch bloße Wil­lens­ent­schei­dung nicht unmit­tel­bar beho­ben werden. Manche Formen von psy­chi­schem Leid sind nicht krank­haft, obwohl sie gra­vie­rend sein können (z.B. akute Trau­er­re­ak­tio­nen, ange­mes­sene Angst um den Arbeits­platz, Angst vor der Frei­heit im exis­ten­zi­el­len Sinn, welt­an­schau­li­che Krisen). Ebenso gehen manche psy­chi­sche Krank­hei­ten nicht, nur teil­weise, nur ver­zerrt oder verzögert mit psy­chi­schem Leid einher (z.B. ich-​syntone und sozial ein­ge­bun­dene Süchte, abge­spal­tene Aspekte bei Persönlichkeitsstörungen, sozial ver­an­kerte Wahnsysteme).

Arbeits­ge­mein­schaft Huma­nis­ti­sche Psychotherapie