Am nörd­li­chen Ufer des Göta Älv, in Norra Älvstranden, gab es frü­her Werften und Häfen. Die Werften ver­schwan­den in der Werftenkrise der 70er Jahre. Die Häfen wur­den wei­ter nach Westen ver­legt, in Richtung of­fe­nes Meer, um grö­ße­ren Schiffen den Zugang zu er­mög­li­chen. Heute lie­gen hier meh­re­re neue Stadtteile, in de­nen Büros und Ausbildungseinrichtungen, aber auch neue Wohnungen ge­baut wer­den. Ein Teil des Entwicklungsprojekts ist der Stadtteil Eriksberg. Hier las­sen si­ch span­nen­de Beispiele schwe­di­scher Gegenwarts-Architektur stu­die­ren: Häuser im »Funkis«-Stil mit vie­len Fenstern, gro­ßer Deckenhöhe und of­fe­ner Raumaufteilung.

Eriksberg

Die Straßenbahnlinie 3 führt vom Stadtzentrum vor­bei an den schön­sten Vierteln Göteborgs – an­ge­fan­gen in Vasastan mit sei­nen Gründerzeithäusern und der Universität über den Järntorget, der am Wochenende Ausgangspunkt für fei­er­lu­sti­ge Menschen ist, nach Masthugget, ei­nem tra­di­tio­nel­len Arbeiterstadtteil mit ei­nem eher spröden-alternativen Charme bis ins ge­müt­li­che Majorna mit sei­nen ty­pi­schen Landshövdingehäusern. Das sind drei­stöcki­ge Wohnhäuser, de­ren un­te­re Etage aus Stein und de­ren obere bei­den aus Holz be­stehen.

Majorna

Überqueren Sie lin­ker Hand die Övre Husargatan und bie­gen Sie di­rekt ge­ra­de­aus in den Konstepidemins Väg ein, dem Sie bis zu den hel­len Stein- und Holzgebäuden der Konstepidemin hin­auf fol­gen. Früher war es ein Seuchenkrankenhaus, heu­te ar­bei­ten hier mehr als 100 Künstler in ih­ren Ateliers – Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Designer. Eine gro­ße Tafel ne­ben dem Restaurant Blå Huset gibt Auskunft, wen man wo fin­det. Wenn Sie Lust ha­ben, be­su­chen Sie doch die krea­ti­ve Galerie auf dem Gelände.

Wo zur Zeit der Ostindienkompanie die gro­ßen Segelschiffe ih­re Waren ver­lu­den und Mitte des 19. Jahrhunderts Zucker und Bier her­ge­stellt wur­den, lie­gen heu­te Kunst und Kommerz eng ne­ben­ein­an­der. Sehenswert ist auch die klei­ne Backsteinkapelle St. Birgitta, die der schwedisch-schottische Unternehmer David Carnegie für die Arbeiter in schot­ti­schem Stil er­rich­ten ließ.

Klippan

In Göteborgs gro­ßem Stadtpark trifft si­ch halb Göteborg. Ein Großteil des Parks be­steht aus ei­nem sanft hü­ge­li­gen Laubwald mit Linden, Buchen und Eichen. Es fin­den si­ch auch Rhododendren- und Azaleenpflanzungen, und in dem zu­ge­hö­ri­gen Tierpark sind hei­mi­sche Tiere wie Elche, Rehe und Füchse zu se­hen.

Slottsskogen | Rikard Fröberg

vorübergehend geschlossen

Der gö­te­bor­gi­sche Winter steht ganz im Zeichen der Farbe Grau. Es ist kalt, es wird früh dun­kel und be­son­ders ab Mitte Januar, wenn die gan­ze ge­müt­li­che Beleuchtung ver­schwun­den ist, merkt man, dass es tags­über oft nie wirk­li­ch hell wird, son­dern oft nur grau und die­sig bleibt. Man ge­wöhnt si­ch an sol­ches Wetter (es schneit re­la­tiv sel­ten im Winter), ver­steht aber auch, war­um si­ch die Göteborger so sehr über je­den Sonnenstrahl im Frühling freu­en.
Verglichen mit dem Winter in Nordschweden ist es in Göteborg um die­se Jahreszeit sehr mild. Aber durch die nas­sen Winde vom Meer kann es schnell sehr kalt und un­an­ge­nehm wer­den (vor al­lem, wenn man erst­mal dem von al­len Seiten kom­men­den Regen zum Opfer ge­fal­len ist).

Göteborg im Winter | Michelle Fleming

sowohl als auch

Du, der du mir das Feuer bringst, wis­se, dass dir je­mand folgt, der ei­nen Eimer kal­tes Wasser trägt.

Willst du mi­ch bei le­ben­di­gem Leib ver­bren­nen oder mein Haus an­zün­den, wird der an­de­re mi­ch er­ret­ten und mein Freund wer­den.

Doch will­st du mi­ch wär­men und mir ei­ne war­me Mahlzeit be­rei­ten, wird es der an­de­re ver­der­ben und mein Feind wer­den.

Nur ei­nes ist wirk­li­ch ge­wiß: Ihr wer­det bei­de im­mer da sein.

Deveion Acker (Photo)

klassenunterschied

Es fängt ja schon beim Fluchen an. Wenn si­ch die Kinder an der Reinhardswaldschule strei­ten, sa­gen sie: »Hör mal bit­te auf!« oder ru­fen nach ih­rer Lehrerin: »Frau Freiesleben, der är­gert mi­ch!«
Die Kinder an der Jens-Nydahl-Schule sa­gen: »Ey, du Bananenkopf«, »du Salami«, »du Salat« oder »du Schawarma«. Manchmal sa­gen sie: »Deine Mutter ist ei­ne Hure!« Aber nur auf Türkisch oder Arabisch, da­mit Frau Sedler es nicht ver­steht.
Die Jens-Nydahl-Schule und die Reinhardswaldschule sind Grundschulen in Berlin. Sie lie­gen bei­de in Kreuzberg, nur 1,3 Kilometer Luftlinie von­ein­an­der ent­fernt, ge­trennt vom Landwehrkanal und der vier­spu­ri­gen Urbanstraße. Und doch klafft zwi­schen ih­nen ei­ne un­sicht­ba­re Schlucht. Die Schlucht trennt die Starken von den Schwachen.

Björn Stephan, sz-Magazin | Metropolico

Die Entwicklung von Selbständigkeit oh­ne el­ter­li­che Protektion zählt eben­so zu den Aufgaben der Adoleszenz, die phy­lo­ge­ne­ti­sch im Rahmen der bio­lo­gi­schen Reifungsprozesse in­iti­iert wird. Durch die go­na­da­len Hormone, so­wie ei­ne da­von un­ab­hän­gi­ge ge­ne­ti­sche Steuerung, wer­den Umbauprozesse im Gehirn an­ge­sto­ßen, die bis ins jun­ge Erwachsenenalter (ca. 20./21. Lebensjahr) hin­ein­rei­chen. Im Rahmen die­ser Hirnreifungsprozesse kommt es – mit zum Teil ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Unterschieden – zu ei­ner Ausreifung des lim­bi­schen Systems (das für Angst- und Furchtreaktionen ei­ne be­son­de­re Rolle spielt), so­wie zur Ausbildung exe­ku­ti­ver Funktionen, die ins­be­son­de­re für die Impulskontrolle und Handlungssteuerung von be­son­de­rer Wertigkeit sind. So könn­te so­wohl der Anstieg als auch die Remission von psy­chi­schen Symptomen und Verhaltensproblemen in en­gem Zusammenhang mit Gehirnentwicklungsprozessen ste­hen. Als Vorhersagefaktoren für ei­ne be­son­de­re Widerstandsfähigkeit (Resilienz) im Jugendalter gel­ten fol­gen­de Kriterien:
– ein oder mehr ef­fek­ti­ve Elternteile
– Bindungen an an­de­re kom­pe­ten­te und für­sor­gen­de Erwachsene
– Problemlösungsfähigkeiten (exe­ku­ti­ve Funktion)
– ef­fek­ti­ve Emotions- und Verhaltensregulation
– po­si­ti­ve Selbstwahrnehmung (Selbstwirksamkeit, Wertschätzung)
– Sinngehalt des Lebens
– durch Gesellschaft wert­ge­schätz­te Attribute (z.B. Talente, kör­per­li­che Attraktivität)
– pro­so­zia­le Freunde
– so­zio­öko­no­mi­sche Vorteile
– ef­fek­ti­ve Schullaufbahn/Bildung

Romuald Brunner/Franz Resch | Lightwave Empire / Anders Malmberg

»Wir wol­len selbst nach­ge­fragt wer­den und da­mit be­geh­rens­wert für an­de­re sein. Darum müs­sen wir uns stän­dig in mög­lich­st at­trak­ti­ver Form prä­sen­tie­ren. Der Mensch ver­wan­delt si­ch in ei­ne Ware: Wir kau­fen vie­le Produkte, um nach­ge­fragt zu wer­den. Der Konsum ist der Mitgliedsbeitrag für die Gesellschaft und der Kampf um die Mitgliedschaft ist ei­ne nicht en­den wol­len­de Aufgabe.
Die Sorge um die ei­ge­ne, flüch­ti­ge Identität – al­so um un­se­ren wahr­ge­nom­me­nen Platz in der Gesellschaft – spielt da­bei ei­ne gro­ße Rolle. Die Identität ver­langt fort­wäh­rend Aufmerksamkeit, Revision und Updates – ent­we­der, weil die­se Sie vor Erosion be­wah­ren möch­ten, oder weil Sie ei­ne neue, at­trak­ti­ve­re Identität er­lan­gen wol­len. Die sicht­ba­ren Zeichen für Ihre Position er­hal­ten Sie im Geschäft. Nicht oh­ne Grund wis­pert es in der Werbung: Das bi­st Du Dir schul­dig

Zygmunt Baumann | Daniel Stark

Mademoiselle Sophie, an der Ecke der Straße, nach Überqueren ei­nes Rendezvous. Und nun? Kontaktanzeige in der Tageszeitung auf­ge­ben oder lie­ber los­zie­hen, ein­fach her­um­strei­fen, si­ch bloß von Anblick zu Anblick trei­ben zu las­sen? Mademoiselle be­stellt ei­nen Kaffee, igno­riert den Eindringling, zün­det si­ch even­tu­ell ei­ne Zigarette an. Für Januar sind die Terrassen der Cafés in Paris schon recht be­lebt, sagt sie si­ch. Paris ist auf den Beinen, die er­ste Etappe auf dem Weg zu ei­nem hei­ßen Frühling.

Bruno Lévy

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