hoffnung

Ein Mensch, der nicht hofft, ver­zich­tet auf sei­ne Frei­heit. Der ver­zwei­feln­de Mensch meint im Grun­de zu wis­sen, wie die Zukunft sein wird. Er hat nicht die Geduld zu war­ten. Das ist der ers­te Feh­ler. Der zwei­te: Er möch­te die Zukunft auf einen ganz kon­kre­ten Inhalt fest­zur­ren. Und wenn der nicht ein­tritt, wird alles sinn­los. Dann han­delt der Mensch nicht mehr. Zukunft anzu­neh­men bedeu­tet ja nicht, fata­lis­tisch zu sein. Der hof­fen­de Mensch ist das Gegen­teil des blau­äu­gi­gen Men­schen. Zuver­sicht heißt: die Rea­li­tät klar erken­nen und den­noch die Offen­heit der Zukunft als gegen­warts­ge­stal­tend aner­ken­nen. Der hof­fen­de Mensch ist kein Opti­mist, der ein­fach das Schei­tern-Kön­nen aus­blen­det. Er lebt im Bewusst­sein sei­nes Bedrohtseins.

Gio­van­ni Maio | Kris­to­pher Rol­ler

sonntagsspaziergang

Unser Schloss­park ist ein Klein­od unter den Baum-Anla­gen des Nie­der­rheins. So statt­li­che Bäu­me und Baum­grup­pen, so vie­le ver­schie­de­ne Arten, beson­ders auch von frem­den, die sonst sel­ten anzu­tref­fen sind, so schö­ne und kraft­voll ent­fal­te­te For­men trifft man nicht häu­fig in einer Anla­ge die­ser Art zusam­men.

sonntagmorgen

Es kam nicht oft vor, dass A. von einem Abend bis zum nächs­ten Mor­gen bei mir blei­ben konn­te. Für gewöhn­lich frag­te sie mich um halb zehn nach der Uhr­zeit, was eigent­lich unnö­tig war, weil sie um halb zehn immer genau wuss­te, dass es halb zehn war und sie sich dar­auf vor­be­rei­te­te, nach Hau­se zu gehen. Ich weiß nicht, war­um A. immer um zehn zuhau­se sein muss­te und nicht um halb elf oder elf, aber ich bin sicher, dass die­se feh­len­den oder zusätz­li­chen Stun­den nichts geän­dert hät­ten. In den sel­te­nen Näch­ten, die wir mit­ein­an­der hat­ten, ver­such­te ich mir dar­um ein­zu­prä­gen, wie sie aus­sieht, wenn sie schläft: ihre Lider, die zart wie zit­tern­de Mot­ten­flü­gel ihre zimt­far­be­nen Augen bede­cken; die wei­che Unter­lip­pe, die sie tags­über oft ver­schämt ein­zieht; der leicht geöff­ne­te Mund, durch den sie flach und has­tig atmet wie ein gejag­tes Kind. Ich sehe sie frie­rend, unter ihrer Bett­de­cke begra­ben, und aus­ge­brei­tet in der Wär­me des Mor­gens, zwi­schen die Kis­sen gebet­tet, nackt und gelöst, wie eine Figur aus dem Matis­se­schen Rei­gen.

Deepe­ri­se ft. Jabbar | Chris Jadoul

von messern und männern

Vor­her war Hus­sein Seif ein typi­scher ori­en­ta­li­scher Her­ren­fri­sör, wie es ihn in Ber­lin hun­dert­fach gibt, in Neu­kölln, in Kreuz­berg, in Wed­ding und anders­wo. Kein Schnick­schnack, schnel­le, güns­ti­ge Schnit­te und Rasu­ren. Sei­ne Kund­schaft war fast aus­schließ­lich tür­kisch- und ara­bisch­stäm­mig, der Tro­cken­schnitt kos­te­te zehn Euro.
Heu­te hat Hus­sein Seif einen Wer­be­deal mit Pana­so­nic, er tritt bei der Inter­na­tio­na­len Funk­aus­stel­lung auf, beschäf­tigt einen eige­nen PR-Bera­ter. Zur Arbeit trägt er ein wei­ßes Hemd, Anzug­ho­se mit Hosen­trä­gern und schwar­ze Lack­schu­he. Sein Salon steht voll mit alten Vitri­nen und Vin­ta­ge-Möbeln, gerahm­te Schwarz-Weiß-Fotos hän­gen an der Wand, auf eini­gen ist er selbst zu sehen. Auf einem zusam­men mit Matt Damon. Sei­ne Kun­den war­ten auf geknöpf­ten Leder­so­fas. Bart und Haa­re kos­ten bei ihm jetzt zusam­men 50 Euro.

Johan­nes Ehr­mann, Der Tages­spie­gel | Eve­li­na Ander

Wir schaf­fen es, uns zu ver­wan­deln. Eigen­schaf­ten, von denen wir wünsch­ten oder sogar wuss­ten, dass sie ver­schüt­tet oder uner­weckt in uns ver­bor­gen sind, ver­drän­gen für die Dau­er unse­res Ver­liebt­seins ande­re, mit denen zu leben wir gewohnt waren. Wir erken­nen uns nicht wie­der. Wir sind schö­ner, sanf­ter, klü­ger. Wir sind erlöst von unse­rem Klein­mut und unse­rer Miss­gunst. Wir füh­len uns imstan­de, unse­rem ärgs­ten Feind zu ver­ge­ben. Jeden Baum, jede Stra­ße über­strah­len wir mit unse­rem Glück und wun­dern uns über ihre bis dahin unent­deck­te Schön­heit. Wir füh­len uns eins mit dem Him­mel, dem Regen, dem Wind. Wir sind end­lich von die­ser Welt und end­lich gar nicht mehr von ihr. Man kann im Leben nichts ver­säu­men als die Lie­be, sagt A.

Geoffroy | Sean Molin

happy new year

No more cham­pa­gne
And the fire­works are through
Here we are, me and you
Fee­ling lost and fee­ling blue
It’s the end of the par­ty
And the morning seems so grey
So unli­ke yes­ter­day
Now’s the time for us to say
Hap­py New Year

Abba

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